
5 Fragen an Dr. Peter Brauchli

Sie haben im März 2026 das Präsidium der Stiftung Alois und Auguste übernommen, was war Ihre Motivation?
In meinem Berufsleben habe ich mich in verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens engagiert. Mein Fokus lag lange darauf, neue Therapien in klinischen Studien zu untersuchen, um damit das Leben von Menschen mit chronischen Erkrankungen zu verlängern oder die Erkrankung zu heilen.
Mit der Zeit ist jedoch die Erkenntnis gereift, dass Prävention die wirksamste «Therapie» ist, um Menschen gesund zu erhalten. Dabei hat mich beeindruckt, dass in allen Bereichen, in denen ich tätig war – Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Demenz – 40–50 % der Erkrankungen durch den Lebensstil vermeidbar wären. Wir tragen also einen grossen Teil unserer Gesundheit in unseren Händen.
Zunehmend ist dann der Umgang mit erkrankten Personen in den Fokus gerückt. Fragen, wie man die Menschlichkeit selbst bei fortgeschrittener Krankheit bewahren kann, wurden für mich wichtiger. Dieser Perspektivenwechsel ist stark durch persönliche Erfahrungen geprägt. Darum möchte ich mich für Menschen mit einer Demenz und ihr Umfeld engagieren.
Sie sind seit Beginn der Stiftungstätigkeiten dabei. Welches Projekt hat Sie bisher am meisten beeindruckt?
Beeindruckt hat mich das Projekt «Music Circles». Es spricht Menschen mit und ohne Demenz über das Erleben von Musik und das gemeinsame Musizieren an. Dadurch werden Menschen auf einer unmittelbaren Ebene angesprochen. Ich finde es grossartig, zu sehen, dass das emotionale Erleben funktioniert, auch wenn die kognitive Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt ist.
Ich möchte noch ein zweites Projekt erwähnen, und zwar wegen dem Potenzial. Das Projekt «Robotik zur Unterstützung von Pflegeheimbewohnenden mit Demenz» untersuchte, welche Rolle Roboter bei der Betreuung von Patientinnen und Patienten mit Demenz übernehmen können. Die erste Reaktion ist oft: «Wollen wir uns von Robotern pflegen lassen?» Für mich ist es nicht überraschend, dass Betroffene und ihr Umfeld offen sind für solche Entwicklungen. Voraussetzung ist, dass der Einbezug bedarfsorientiert und nicht technikgetrieben erfolgt. Wir sollten dieses Potenzial nutzen.
Was raten Sie Organisationen, die beabsichtigen, ein Gesuch einzureichen?
Wir werden die Ausschreibung im vierten Quartal aufschalten. Thematische Schwerpunkte haben wir noch nicht diskutiert. Ich lade Interessierte ein, sich mit unserer Stiftung zu verlinken. Wir suchen auf jeden Fall innovative Projekte und solche, die auf Kooperation setzen. Wir legen grossen Wert darauf, was bei den Patientinnen und Patienten ankommt.
Zu welchen Themen würden Sie sich mehr Gesuche wünschen und warum?
In der Medizin versucht man, wenn immer möglich evidenzbasierte Massnahmen anzuwenden. Dieses Vorgehen wünsche ich mir bei der Betreuung von an Demenz Erkrankten auch. Interessant fände ich Projekte zu schwierigen Themen, wie zum Beispiel Umgang mit Aggression, Angst oder Gewalt, weil es schwierig ist, mit diesen Themen ein «attraktives» Projekt einzugeben. Gesuche mit dem Ansatz, wie sieht die Betreuung von Menschen mit Demenz in fünf oder zehn Jahren aus fände ich zudem besonders spannend. Die Fragestellung wäre dann, was wir jetzt initiieren können, um in der gewünschten Zukunft anzukommen.
Was wünschen Sie sich für die Stiftung in den kommenden Jahren?
Ich wünsche mir, dass die unterstützten Projekte, das Leben von Menschen mit Demenz nachhaltig verbessern. Geförderte Projekte sollen dabei anderen Organisationen als Vorbilder dienen. Wir sind mit den Vergabungen vor fünf Jahren gestartet. Die Stiftung hat eine hohe Bekanntheit erreicht und bereits 19 Projekte unterstützt (siehe Website). Als Vergabestiftung stellt sich dabei die Frage nach der eigenen Endlichkeit. Wir haben im Stiftungsrat den Entscheid gefällt, die Vergabezeit auszudehnen und freuen uns daher über Unterstützung für unsere Arbeit.