
3 Fragen an Andreina Ravani

1. Was motiviert Sie, im Stiftungsrat der Stiftung Alois und Auguste mitzuwirken?
Ich arbeite seit zehn Jahren im Demenzbereich und durfte in dieser Zeit verschiedene Projekte entwickeln und begleiten. Das Potenzial, die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen zu verbessern, ist nach wie vor gross. Gleichzeitig passiert in der Schweiz unglaublich viel: Durch meine Arbeit bei Alzheimer Schweiz sehe ich, wie viele wertvolle Initiativen entstehen. Gleichzeitig erlebe ich, dass ähnliche Ideen parallel oder in verschiedenen Regionen entwickelt werden. Eine stärkere Zusammenarbeit könnte hier häufig einen deutlichen Mehrwert schaffen. Genau diesen Ansatz verfolgt die Stiftung Alois & Auguste, indem sie gezielt Kooperationsprojekte fördert. Das entspricht meiner Überzeugung, dass wir gemeinsam mehr erreichen können.
2. Sie waren im Juli erstmals an der Sitzung des Stiftungsrats dabei, als dieser die Gesuche 2026 beurteilt hat. Was hat Sie bei den Gesuchen am meisten beeindruckt?
Mich hat vor allem die Vielfalt der Gesuche beeindruckt. Die Projekte reichten von Kunstprojekten über telemedizinische Ansätze bis hin zu Angeboten zur Stressreduktion für Angehörige. Das zeigt, wie unterschiedlich die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und ihrem Umfeld sind und wie vielfältig die Wege sein können, auf sie eizugehen.
3. Ich welchen Bereichen sehen Sie derzeit in Ihrer Funktion als Projektleiterin bei Alzheimer Schweiz am meisten Bedarf an Projekten und warum?
Die Unterstützung und Entlastung von Angehörigen bleibt eine der grössten Herausforderungen. Veränderte Lebensbedingungen – etwa die Tatsache, dass heute mehr Menschen einer Erwerbstätigkeit nachgehen oder Familien oft nicht mehr am selben Ort wohnen – stellen viele Angehörige vor zusätzliche Herausforderungen. Hier sehe ich Potenzial für Projekte, die neue Technologien sinnvoll und verantwortungsvoll einsetzen.
Mit diesen gesellschaftlichen Veränderungen nehmen auch Einsamkeit und soziale Isolation zu. Beides sind Risikofaktoren für eine Demenzerkrankung und können den Krankheitsverlauf beschleunigen. Deshalb gewinnen Projekte im Bereich Prävention und Hirngesundheit weiter an Bedeutung.
Ebenso wichtig bleibt die Sensibilisierung der Bevölkerung. Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen brauchen nicht nur passende Angebote, sondern auch ein Umfeld, das informiert ist, Verständnis zeigt und sie im Alltag unterstützt.